Wie wollen wir alt werden?

Verfasst von , am: 2. November 2016. http://metin-hakverdi.de/wordpress/2016/11/02/wie-wollen-wir-alt-werden/

Expertenrunde zu den Themen Gesundheit und Pflege in Bergedorf

img_7903

Gesundheit ist unser höchstes Gut. Wir alle hoffen, möglichst bis ins hohe Alter fit und vital zu bleiben. Doch längst nicht allen ist dieser Wunsch vergönnt. Die Kräfte lassen nach und eines Tages werden viele von uns auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein.

Im Rahmen meiner Veranstaltungsreihe “Hakverdi trifft …” habe ich deshalb die Hamburger Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz Cornelia Prüfer-Storcks und den Autoren und Journalisten Peter Wenig eingeladen, um über eine der wichtigsten Frage unsere Zeit zu sprechen: Wie wollen wir alt werden? Mit meinen beiden Gästen und knapp 50 Besuchern entwickelte sich an diesem Abend im SPD-Kreishaus Bergedorf ein intensiver Austausch.

Zwischen 2009 und 2013 sei im Bereich der Pflege nichts passiert – obwohl bekannt war, dass Menschen mit Demenz nicht von den Leistungen der Pflegeversicherung erfasst seien, wie Senatorin Prüfer-Storcks feststellte. Die in dieser Legislatur auf den Weg gebrachten und verabschiedeten Pflegestärkungsgesetze I und II hätten Verbesserungen bewirkt, die bei den Menschen in den Pflegeheimen aber auch bei den Pflegebedürftigen zu Hause ankommen würden. So hätten die Hamburger Pflegeheime 540 zusätzliche Pflegekräfte eingestellt. Insbesondere die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs erweitere den Anwendungsbereich der Pflegeversicherung in sinnvoller Weise.

Der größte und wichtigste Pflegedienst sei noch immer die Familie, sagte Peter Wenig. Viele Angehörige pflegten ihre Lieben mit Aufopferung und Hingabe. Häufig stünden Sie mit dieser Aufgabe allein da. Vor allem für jene Pflegebedürftigen, die durch Angehörige aus unterschiedlichsten Gründen nicht gepflegt werden können, stehe der Staat in der Pflicht. Mit der Pflegebedürftigkeit büßten die Menschen oft ihre Selbstbestimmung ein. Der demographische Wandel bewirke zudem, dass die Zahl pflegebedürftiger Menschen zunimmt. In Hamburg beispielsweise lebten heute 50.000 pflegebedürftige Menschen, so Peter Wenig. In wenigen Jahren werde diese Zahl auf 60.000 steigen.

Um älteren Menschen ihren Wunsch erfüllen zu können, in den eigenen vier Wänden zu leben, sei es wichtig, verstärkt über Alternativen zur Unterbringung in Pflegeheimen nachzudenken. Alternative Wohnformen etwa ermöglichten Pflegebedürftigen oft mehr Selbstbestimmung. Dazu zählten das betreute oder Service-Wohnen, bei dem außer dem Mietvertrag auch ein Servicevertrag abgeschlossen wird. Ebenso sinnvoll sei das Wohnen in Mehrgenerationenhäusern, in denen Jung und Alt sich gegenseitig helfen, oder auch das „Wohnen für Hilfe“, bei dem einzelne Wohnungen oder Zimmer beispielsweise an Studierende vermietet werden, sagte Peter Wenig. Diese helfen dann im Haushalt und bei Besorgungen und erhalten im Gegenzug eine günstige Miete. Zu den neuen Wohnformen zählten ferner die sogenannten Pflege-Wohngemeinschaften („Pflege-WGs“). Diese bieten die Möglichkeit, zusammen mit Gleichaltrigen zu leben und gemeinsam Unterstützung zu erhalten – ohne auf Privatsphäre und Eigenständigkeit zu verzichten.

Wenig beklagte, dass die Unkenntnis der Menschen über die Möglichkeiten, die die Pflegeversicherung anbietet, immer noch viel zu groß sei. Das Hauptproblem sei, dass die Menschen sich mit der Pflegefrage erst beschäftigten, wenn das Thema akut werde.
Frau Senatorin Prüfer-Storcks wies darauf hin, dass neben der guten Pflege auch die Ausbildung qualifizierten Personals wichtig sei. Das Ausbildungssystem für Pflegekräfte wird aktuell im Deutschen Bundestag diskutiert. Ziel ist eine zukunftsfähige Gestaltung der Pflegeberufe. Hierfür sollen die drei Ausbildungsgänge Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege in einem Ausbildungsgang zusammengefasst werden. Damit wird die Flexibilität innerhalb des Berufes gestärkt, aber auch der Beruf der Altenpflege aufgewertet.

Mit dem Thema Pflege werde ich mich auch im nächsten Jahr befassen. Wenn die ersten Erfahrungen mit dem Pflegestärkungsgesetz II und seinem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff vorliegen, werde ich mit Experten darüber diskutieren, wie es weitergehen muss. Wichtig ist mir aber auch, bei der Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger im Wahlkreis helfen zu können – beispielsweise beim wichtigen Thema Vorsorgevollmacht.